Als uns Toni Zulauf mit der Idee überraschte, für die traditionellen Fischertage mit Freunden nach Bosnien zu reisen, musste ich zuerst die Literatur konsultieren um in Erfahrung zu bringen, wo sich dieses Land überhaupt befindet. Skeptiker unter den Interessierten waren zudem voller Vorurteile, welche sich später bei allen Teilnehmenden als unbegründet erwiesen.

Bosnien-Herzegowina, ein kleiner Staat auf der Balkanhalbinsel, liegt vollständig im Dinarischen Gebirge und ist mit 3,5 Mio. Einwohnern nur dünn besiedelt. Der hohe Anteil an muslimischer Bevölkerung wird durch die zahlreichen Moscheen und Minarette repräsentiert. Die bewaldete Mittelgebirgslandschaft und die Gewässer, welche sie durchfliessen, sind naturbelassen. Und auch der Fischbestand stammt mit wenigen Ausnahmen aus der Naturverlaichung. Um die ursprünglichen Populationen zu schonen, ist daher Catch and Release ein Muss. Die Flüsse entspringen aus Karstquellen und sind somit wenig anfällig auf Eintrübung; mit Hochwasser muss jedoch in seltenen Fällen gerechnet werden. Und ausgerechnet unmittelbar vor unserer Anreise regnete es dem Vernehmen nach über Wochen, weshalb die Flüsse Hochwasser führten. Drei Tage nach unserer Ankunft erreichte der Wasserstand jedoch bereits wieder durchschnittliche Werte. Unsere Guides konnten uns trotzdem an erfolgversprechende Stellen der Traumgewässer Sana, Sanica und Krusnica führen.

Fischereiliche Höhepunkte bildeten die Ausflüge an die beiden Weltklasseflüsse Ribnik und Una, welche sich nicht nur fischereilich, sondern auch landschaftlich als besonders reizvoll erwiesen. Sana, Sanica und Ribnik befinden sich in kurzer Distanz zum kürzlich eröffneten Hotel. Alle 13 begeisterten Fliegenfischer unseres 111er Teams konnten zahlreiche Äschen und Forellen, teilweise in beachtlicher Grösse, landen.

Neben den Schwierigkeiten mit dem anfänglich hohen Wasserstand bereitete uns der Bodennebel, der sich jeden Abend über den Gewässern bildete (Luft 30°C, Wasser unter 10°C), Probleme, denn die Fische interessierten sich in den Abendstunden nicht mehr für die Trockenfliege. Den Abendschlupf haben wir vermisst; generell konnte wenig Anflugnahrung beobachtet werden, was mit dem vorangegangenen Hochwasser zusammenhängen könnte. Hochwässer dezimieren bekanntlich die Mückenlarven erheblich.

Auch in gesellschaftlicher Hinsicht waren unsere Tage in Bosnien ein Hype. Viel Wortwitz mit spitzen Kommentaren und amüsanten Wortgefechten führte oft zu Lachsalven. Die Leader in dieser Disziplin waren unbestritten Urs und Thomas (Nachname geheim). Über die Mittagszeit boten uns die Guides einen Ausflug in die historische Stadt Jajce an. Weil das Thermomete jedoch auf über 30°C geklettert war, mussten wir das freundliche Angebot ablehnen.

Toni Zulauf hat es verstanden, unser Team in seiner freundschaftlichen Art durch die Woche zu führen, wofür wir ihm grossen Dank schulden.
Das Fischen war superb, das Hotel super und unsere Guides äusserst kompetent und sehr hilfsbereit. Und auch die kameradschaftliche Stimmung, die stets herrschte, war ein echter Aufsteller. So bleibt uns lediglich zu versprechen: Wir kommen wieder!

 

Susanne und Peter Leumann