Liebi Fründ,

der 111er Club ist leuchtendes Beispiel was aus Initiative, Beharrlichkeit und Grosszügigkeit entstehen kann. An jedem Anlass, den ich besuche, darf ich Dankbarkeit und Bewunderung einheimsen, die ihnen allen gebührt. Unser hochgeschätztes Mitglied und SFV Präsident Roberto Zanetti wird bei nicht müde, den 111er Club zu lobpreisen. Leider wirkt sich das nicht auf unsere Mitgliederzahlen aus. Es scheint, dass die fortschreitende Regularisierung und der stetige Rückgang der Fangzahlen zur Lethargie bei den Fischern geführt hat.

Wir wissen alle was es braucht, dass wieder mehr Leben in unseren Gewässern gedeihen kann, nämlich mehr Wasser und weniger Gift. Aber tausende Tonnen Herbizide, Fungizide und Insektizide werden jedes Jahr auf Schweizer Böden ausgebracht…

Liebe Freunde, das war der Moment, wo ich bei der Verfassung meines Berichts in Fahrt gekommen bin. Die Gedanken stürzten auf mich ein und gefühlte 15 Seiten später, als ich mich wieder beruhigt hatte, war mir klar: Nein das kann ich euch nicht zumuten. Trotzdem möchte ich ein paar Fakten loswerden, die mich bei meinen Recherchen ratlos gelassen haben:

  • Der Bund leistet jährlich Direktzahlungen von 2,8 Mia Franken an die Landwirtschaft. Das bedeutet:
    Jeder Bauernbetrieb erhält durchschnittlich über 54’000 Franken. Das sind 18’200 Franken pro Beschäftigten. Sie denken das ist nicht viel?
    Die AHV Minimalrente beträgt gerade mal 14’220 Franken – 22% weniger.
  • Das Bundesbudget für die Landwirtschaft beträgt aktuell 3,8 Mia. Franken, Avenir Suisse aber hat in einer aktuellen Erhebung die effektiven Kosten der schweizerischen Agrarpolitik auf über 20 Mia. Franken pro Jahr berechnet! Es ist klar, dass die Agrarlobby diesen Betrag als unzutreffend zurückweist, aber der Katalog weiterer Unterstützungsmassnahmen ist endlos.
    Um nur ein Beispiel zu nennen: Werbekampagnen des Bundes für Agrarprodukte – sind nicht im Landwirtschaftsbudget, zum Beispiel für Kuh Lovely (Milch) oder Hund Barry und Gans Hans (Obst), kosten total 475 Mio. Franken pro Jahr.

Was bringt das der Bevölkerung?
Gemäss Bundesamt für Landwirtschaft wurden von 2008 bis 2016 durchschnittlich jedes Jahr 2’200 Tonnen Pflanzenschutzmittel versprüht!

Die SBB versprühen für die Böschungspflege über 3 Tonnen Glyphosat pro Jahr. Ein grosser Teil der Bahntrassen liegen direkt neben Gewässern, ein kleiner Regen und schon ist die ganze Sosse im See…

Eine Parlamentarische Anfrage 2017 beantwortete der Bundesrat so: Zitat … Da der Bundesrat nicht über ausgewiesene Kenntnisse im Bereich Böschungspflege verfügt, verzichtet er auf entsprechende Empfehlungen zuhanden des Parlamentes oder der Bahnen… Zitat Ende – Mich hinterlässt eine solche Aussage sprachlos!

Das Schweizer Fernsehen hat am 7. April 2019 berichtet:

  • 93 Prozent der Äcker von Biobauern im Schweizer Mittelland sind mit den als
    Bienengift kritisierten Neonicotinoiden verseucht.
  • Bei herkömmlichen Betrieben finden sich Rückstände dieses Insektengifts sogar
    flächendeckend.

Fassungslos konnte ich eines Abends in der Tagesschau hören, dass das Bundesamt für Landwirtschaft die Ernährungssicherheit höher gewichtet als giftfreies Trinkwasser.

Vom Mittelalter an galt Bier als das einzige Getränk, bei dem ein jeder gewiss sein konnte, dass er davon nicht krank wird. Der Grund: Der Alkohol, die Kohlensäure und sein vergleichsweise niedriger pH-Wert sorgen dafür, dass es frei von Keimen ist. Leider wird uns das nicht weiterhelfen, weil Alkohol und Kohlensäure gegen Herbizide und Pestizide nichts nützen.

Und es hilft auch nicht, wenn das BAFU Statistiken führt an wie vielen Tagen der
Grenzwert für Pestizid in einem Bach überschritten wurde, weil es bei allen Lebewesen identisch ist: Wird der Grenzwert einmal überschritten, ist man ein Leben lang tot.

Veranstaltungen
«Fischen mit Handicap» ist 2018 am Bodensee und im Raum Genf durchgeführt worden. Die Bilder auf unserer Internetseite belegen den Erfolg der Veranstaltung. Leider wurde im Petri Heil nicht darüber berichtet. Um die Weiterführung dieser Idee nicht zu gefährden, hat sich der Vorstand schweren Herzens entschlossen, die Geschicke für diesen Event in die Hände des SFV zu legen. Herzlichen Dank an die Unterstützer aus unseren Reihen, die viel Freizeit geopfert haben, um Menschen die das Leben nicht auf der Sonnenseite geniessen können, unvergessliche Augenblicke zu schenken.

Der Herbstausflug fand in und um Lausanne statt. Wir durften das «Maison de la Rivière» kennenlernen, auf den Jurahöhen im Chalet «Le Suchet» die Aussicht und ein Fondue geniessen und am Samstagmorgen die phänomenalen Aquarien im Hotel Aquatis bewundern. Ein grosses Dankeschön an Charles Kull und seiner Partnerin Barbara für die perfekte Organisation.

Der Fischtisch im November fand wie im Vorjahr in Olten statt. Das Team vom Restaurant Salmen verwöhnte uns ausschliesslich mit Süsswasserfischen, was nach meinem Dafürhalten allgemeinen Zuspruch gefunden hat.

Der Neujahrsapero im Widenmoos ist traditionellerweise ein Vorfreude-Anlass auf die kommende Saison. Leider war ich wegen einer hartnäckigen Grippe buchstäblich ans
Bett gefesselt und konnte nicht dabei sein. Ich kann nur hoffen, dass wir für den Neujahrsapero 2020 einen valablen Veranstaltungsort finden. Der Vorstand ist für Vorschläge dankbar.

«Fischen mit Freunden» findet in zwei Wochen statt. 13 Enthusiasten werde die Message des 111er Clubs in Bosnien weiterverbreiten. Eine tolle Gelegenheit im
Kreis von Gleichgesinnten einige schöne Tage an schönen Flüssen zu verbringen.

Dank
Allen Mitgliedern meinen herzlichsten Dank für die Unterstützung, das Vertrauen und die Treue zum 111-er Club und meinen Vorstandskollegen, die eine Menge Freizeit geopfert haben, um zu helfen, dass der 111er Club ein exklusiver Zirkel grosszügiger Fischer bleibt.

Vielen, vielen Dank.

Euer Präsident, Philippe Berberat