Herbstausflug vom 24. bis 27. August 2012 nach Edinburgh

An der GV am 29.4.2011 in Bern befürworteten 35 von 38 Stimmberechtigten eine Reise nach Schottland. Arbeit für den Vorstand und die Ehefrau unseres Mitgliedes Marcel Frozza, Esther Frozza, als Reiseleiterin. Im Vorfeld perfekte schriftliche Orientierung was uns erwarten wird.

Freitag den 24. August trafen sich dann die rund 30 Teilnehmer gegen Mittag im Flughafen Basel, problemloser 2stündiger Flug mit Easy Jet nach Edinburgh. Transfer im Privatbus mit der örtlichen Reiseleiterin ins Stadthotel „The George“. Gute Informationen, gutes Hotel, perfektes, modernes Zimmer. Abendessen im Restaurant Amber. Sehr gute Standortwahl, von dort nämlich nur kurzer Fussmarsch zum Tattoo, langes Anstehen für den Eintritt entfällt.

Ueberraschung: die Qualität des Essens. Auch die Deklaration des Fleisches: 28 Tage gereiftes Filet vom schottisches Angus. Sehr gut. Dann 2100 Uhr Tattoo. Guter, leicht auffindbarer Platz. Bedeckt, kein Regen. Toll. Die Darbietung beeindruckend, die Dimension, die permanente Disziplin der Darsteller. Applaus beim Auftritt der Basler Trommler. Noch besser die Norweger. Sowas von Präzision. Feuerwerk als Schlussbuquet ueber der Schlosskulisse. Zurück in die Hotelbar. Knallvoll. Ein doppelter Malzwhisky als Schlummertrunk muss genügen.

Samstag 25. August. Klassisches Frühstück. Orangenkonfitüre musste man zwar verlangen. Dauerregen. 0830 Start nach Alnwick. Längs des Firth of Forth, dann der Ostküste entlang Richtung Süden. Liebliche Landschaft, gepflegte Getreidefelder. An der Küste praktisch keine Häuser. Erstaunlich. Besichtigung Alnwick Castle. (ausgesprochen Annick.) Seit 700 Jahren im Besitz der Duke’s of Northumberland. Ein Riesenbetrieb. 160 Bauernhöfe gehören dazu; toll bei den steigenden Getreidepreisen. Wo kam der Reichtum her? Wieder Ueberraschung: Mittagessen im Schloss-Restaurant. Ansprechendes Ambiente. Lasagne al forno mit Knoblauchbrot. Das in Schottland?

Zuegig serviert in individuellen rustikalen irdenen Töpfen und sehr schmackhaft. Gute Weinauswahl aus aller Welt. Nicht mal zur Hälfte des schweizerischen Preislevels. Das Flüsschen Alnwick, oft gesehen in Hardyreklamen, fliesst ganz bescheiden und schüchtern am Rande der Anlage durch.

Nachmittags dann zum Fischereiartikelmuseum House of Hardy’s. Ansprechende Anlage. Allerdings: bei der Firmenbezeichnung Hardy & Greys Ldt. beginnt vor Ort der Name Greys zu dominieren. Der letzte Hardy, James Leighton, starb vor etwa 14 Tagen. Kein Hinweis sichtbar. Das kleine Museum ist ansprechend, umfassend, überblickbar. Der angegliederte Verkaufsladen dominierend, die Produkte überzeugend und zehren immer noch vom Nimbus Hardy. Das klassische Buch mit der Geschichte des Unternehmens „The House The Hardy Brothers Built“ fand man nirgends im Angebot.

Rückfahrt wiederum entlang der lieblichen Küste. Dinner im Hotel. „Traditional Scottish Evening.“ Guter Start im schön gedeckten Saal. Den Wein musste man im Voraus dem Kellner bezahlen, der ihn dann an der überfüllten Bar mit entsprechend Wartezeit holen musste. Gutes Essen, als Degustation dabei das berüchtigte schottische Haggis (Schafkutteln). War eigentlich sehr gut. Aber wahrscheinlich eine Touristenvariante, hatte es ganz anders in Erinnerung. Das geschmorte Rindfleisch absolute Extraklasse.

Sonntag 26. August. Ausflug nach Pitlochry. zu Beginn etwas Stadtbesichtigung in Edinburgh. Die Vorgärten sind alle sehr gepflegt. Auch die Schotten sind Gartenliebhaber. Auffallend hier: kein Littering, keine Schmierereien an den Gebäuden. Nach zwei Stunden Fahrt, ansprechende Landschaft ohne Zersiedelung, Ankunft in Pitlochry.

Scheint beliebter Ausflugsort zu sein, darum viele Menschen, Läden für Touristen. Besichtigung Elektrizitätswerk am River Tay. Etwas betagt, wie auch die Lachsleiter. Fischeinstieg scheint etwas arg klein. Zählwerk aufsteigender Fische, pro Jahr rund 5000. Erfolgreiche Absteigerquote durch Turbine nicht bekannt. Muss aber doch rudimentär funktionieren, sonst kämen ja keine mehr hoch. Funktionalität wird sehr selbstbewusst übermittelt.

Der River Tay unterhalb des Werkes bis zum Meer ein wunderschöner, naturbelassener Fluss. Braune Moorfärbung. Mittagessen wieder in kleinem, ansprechenden Restaurant am Fluss. Zwanzig Angelruten an der Essraumdecke. Rasante Bedienung trotz vielen übrigen Gästen. Dorsch (Cod) im Bierteig. Frisch, knusprig. Wie üblich: man spart am Fisch und nicht am Bierteig.

Wie im Reiseprospekt versprochen fahren wir frisch gestärkt zur Single Malt Brennerei mit Namen Edradour. Professionelle Begrüssung durch deutschen Angestellten im Schottenkilt. Kleinste Destillerie im Lande mit nur drei Mitarbeitern. Schön gepflegt. Privatbesitz. Die Meisten Distillerien gehören inzwischen grossen Getränkekonzernen. Produktion 100’000 l Whisky pro Jahr. Glenfiddich macht 12 Millionen.

Hier perfekte Vermarktung im Degustations- und Verkaufsraum. Ein Muster vom zehnjährigen (jünger wird keiner verkauft) muss drin liegen. Zusätzlich ein Spezialglas. Der Preis für diese jungen Jahrgänge: recht bescheiden. Merke: nie mit Eis verdünnen, höchstens mit wenig Wasser. Die übliche Frage darf nicht fehlen: was trägt der Schotte unterm Kilt? Die übliche Antwort: die Zukunft Schottlands.

Rückfahrt wiederum durch die liebliche Landschaft, längs dem schönen River Tay. Aber eines darf doch nicht ganz fehlen: Stau auf Autobahn vor Perth.
Abschlussdinner im sich vornehm gebenden Restaurant „The Dome“ gegenüber unserem Hotel.

Merkmal solcher „In-Lokale“ scheint knappste Bestuhlung (Schuhbeck lässt grüssen) und kaum Zwischenraum zwischen den Tischen zu sein. Als hoffnungsfroher Zecher bekomme ich hier schon vor dem Essen Platzangst. Menueauswahl. Unsere dennoch gutgelaunte Tischrunde bestellt mehrheitlich gegrilltes Lamm. Wer nicht blutig bestellt sondern medium bekommt einen alten Bock (wenigstens ich), Essen aber im Gesamten doch sehr gut. Ausklang des erlebnisreichen Tages in der Hotellobby.

Montag 27.8. Gegen Mittag Transfer zum Flughafen. Die wenigen freien Morgenstunden laden nur die Härtesten ein zum Abschiedsbummel durch die Stadt. Es regnet. Die drei Check-In Schalter der Easy Jet hoffnungslos überfüllt. Die 17 übrigen leer. Aber pünktlicher Abflug, gute Landung in Basel. Allgemeine Verabschiedung. Alle scheinen zufrieden. Trotz nicht dominierender fischereilicher Thematik des Ausfluges: neue Aspekte gabs allemal. Man könnte gar wieder mal was ähnliches in dieser Grössenordnung unternehmen?

Auf alle Fälle: ein ganz herzliches Dankeschön den Organisatoren.

Hanspeter Tanner