Kultur bei Nachbarn

Der Herbstausflug 2008 stand ganz unter diesem Zeichen. Fischen ist Kultur, Freizeitfischen ist Kultur pur. Auch Essen und Trinken kann Kultur sein. Letzteres, man merkts dann nachher, hat für den Berichterstatter grossen Stellenwert. Dafür steht schon mal, erfreulicherweise statutenkonform, die Hälfte des Jahresbudgets zur Verfügung.

Aber auch Musik und Gesang fällt unter diesen Begriff: Komprimiert steht das zur Verfügung in Salzburg mit Mozart und diesen Kugeln.

Wie immer perfekt die Anreise mit unserem Schaffhauser Bus. Traditionell dabei die weltbekannten Tiefkühlgipfeli eines unserer treuen Mitglieder. Erster Höhepunkt: Mittagsrast in Thaur kurz nach Innsbruck, ein guter Vorgeschmack. Ankunft in Salzburg am späten Nachmittag. Ehrfurchtsvoll zu Füssen des Schlosses, in der Altstatt, Einkaufen in den Schicki-Micki-Läden. Berühmt ist Schokoladekuchen aus der Hauptstatt unseres Gastlandes. Den gibt’s auch beim zweitberühmtesten Patissier im Ort. In Holzkistchen verpackt und fast so teuer wie Kaviar. Schade dann: furztrocken und ungeniessbar.

Bei Weiterfahrt nach Mondsee ins gleichnamige Hotel testen Nacht, Regen und eine Baustelle die Belastbarkeit unseres Chauffeurs. Prüfung bestanden. Das Nachtessen ist schon bereit und gut. Der anschliessende lange Marsch zu den Zimmern durch das grosse Hotel, ehemals Kloster, ist vorerst gewöhnungsbedürftig, Kompensation sind die ruhigen, schönen, riesengrossen Zimmer.

Anderntags exklusive Schiffsrundfahrt auf dem Mondsee. Herrliche Alpenwelt. Dort ist die Natur noch fast nicht zerfressen vom Architekturkrebs. (Ausdruck gestohlen beim Tamedia-Verlag) Mit Car via Attersee, Bad Ischl zum Wolfgangsee. Wer denkt da nicht ans Weisse Rössl ? Ein kräftiges Mittagessen in einer urtümlichen Alphütte stärkt uns für den Höhepunkt unserer Reise am Abend.

Mozart-Dinner im Stiftskeller St. Peter. Vorher exklusiv für uns standesgemässer Apero im Schlosshof. In separaten Saal attraktives 5-Gang-Nachtessen wie es üblicherweise im 18. Jahrhundert gereicht wurde. Zu Beginn und zwischen den Gängen spielt ein Streichquintet in historischer Kleidung auf. Arien und Duette aus Mozart-Opern, dargeboten an unseren Tischen. Das Selbstbewusstsein, die Souverenität, die Sprachgewalt, die Klangfülle, die Beherrschung des Librettos durch die Interpretin und den Interpreten, zudem in einer Fremdsprache: für einen Laien wie mich, man verzeihe den hilflosen Ausdruck: einfach sensationell.

Anderntags Heimfahrt bei schönem Wetter . Mittagsrast in Going beim Stangl-Wirt: grosse, fast industrielle Anlage im alpenländischen Stil mit Hochbetrieb am Sonntag Mittag. Trotzdem, schneller, sympathischer Service mit erhofftem Klassiker zum Abschied, gekonnt zubereitet: Wiener Schnitzel. Sogar Kalbfleisch.

Problemlose Heimfahrt und glückliche Ankunft in Neuhausen. Wiederum ein denkwürdiger Herbstausflug des 111er. Eines noch: den Organisatoren und den fröhlichen Teilnehmern: herzlichen Dank.

cjd